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Scheuber

Abschluss und Neuanfang...

...und das in jedem einzelnen Stück gleichermaßen. So beschreibt Dirk Scheuber den Inhalt seines Albums. Sehr passend, denn das ist auch der Weg, der zum Album geführt hat. Erinnern wir uns zurück. 15. Mai 2012. Auf dem offiziellen Facebook-Profil von Project Pitchfork steht: „Dirk Scheuber ist aufgrund seines überschwänglichen Alkoholkonsums freiwillig auf Entzug und wird deswegen bei den kommenden Project Pitchfork Shows pausieren.“ Ein ob der offenen Worte mit großem Respekt bedachter Schritt und zudem offenbar ein sehr wichtiger, spricht Scheuber selbst doch von einem „mehr oder weniger Fast-Ableben“.

Es folgte: die Selbstfindung. Sich finden. Sich erfinden. All das nicht als Dirk Scheuber, der Keyboarder von Project Pitchfork, sondern eben nur als Dirk Scheuber. So kommt „The Me I See“ als Albumtitel auch nicht von ungefähr. „Das bin ICH“, betont er selbst. „Ich hatte so viel aufzuarbeiten und musste so viel neu verstehen lernen. Am meisten jedoch mich selbst“, findet er klare Worte dazu. Das zeigt sich auch in den Bildern immer wieder, die ein weiterer wichtiger Baustein zum Gesamtverständnis sind. Die Schwarz-Weiß-Ästhetik, Ausdrücke innerer Zerrissenheit – auch die Bildwelten legen Zeugnis des Prozesses ab, in dem der Künstler sich auf dem Weg zum Album befand.

Ein wichtiges Moment dabei ist stets die Liebe. „Auf meinem Weg bin ich auf sehr viel Liebe gestoßen, egal ob von Familie, Freundeskreis oder Kollegen. Ich bin sehr dankbar für sehr viel und werde dies auch tief in meinem Herzen für mich aufbewahren und schützen.“ Liebe hilft dabei, aus der inneren Zerrissenheit das Puzzle wieder zu einem Ganzen zu machen. Mit nüchternem Bick, mit einem Zulassen der Emotionen. Schließlich brachte die Aufarbeitung seiner selbst nicht nur die Liebe ans Licht, sondern auch Verlust, Angst, Hoffnung, Freundschaft und Dankbarkeit.

Trotz Selbstfindung: Einige Impulse von außen brauchte es. So war es Project Pitchfork-Sänger Peter Spilles, der Scheuber ermunterte, die Stücke letztendlich doch als Album der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wichtige Inputs für den Sound lieferte zudem „Der Frost“ von Eisfabrik. „Er hat die Songs genauso verstanden, wie ich es mir vorgestellt habe“, schwärmt Scheuber. Und nicht zuletzt war auch Chris Ruiz ein wichtiger Wegbegleiter für das Gesamtkonzept. Weniger musikalisch, sondern vielmehr als Fotograf, der mit seinen Bildern die Gesamterscheinung und das ästhetische Erscheinungsbild des Albums mit beeinflusste. Und doch ist es am Ende durch und durch Scheuber. Er blickt auf das Album und weiß, was er sieht: „The Me I See“

Text: Marius Meyer (Monkeypress.de)

Exklusives Interview mit Marius Meyer: www.monkeypress.de (03.08.2016)

Die Überraschung und die Vorfreude waren groß, als die Ankündigung kam, Dirk Scheuber – bisher vor allem durch Project Pitchfork bekannt – würde ein Solo-Album aufnehmen. Nun steht das Album inzwischen in den Startlöchern, sodass sich eine gute Gelegenheit ergab, dem Künstler, der „The Me I See“ schlicht unter seinem Nachnamen veröffentlicht, zum Album zu befragen. Dabei gab es vieles zu erfahren über das Entstehen, den Sound, textliche Hintergründe, Gefühle und mehr. Die Fragen stellte Marius Meyer von Monkeypress.de. Hier die Antworten!

TEIL I

Das Album steht nun in den Startlöchern. Erst einmal grundlegend gefragt: Wann kam der Entschluss, ein Solo-Album aufzunehmen?

Der Gedanke dies endlich mal umzusetzen, existierte ja schon eine halbe Ewigkeit in meinem Kopf. Der Antrieb und die Kraft waren sich noch sehr uneins. Erst nach meinem mehr oder weniger Fast-Ableben und der Neu-Orientierung meiner selbst kristallisierte sich und manifestierte sich, der enorme Wunsch, all das in irgendeiner Form nach außen zu kehren oder in irgendeiner Emotion zu kompensieren. Und so kam dann eins zum anderen. Und mit „The Me I See“ existiert nun ein weiterer Schritt in nüchterner Form, der mich immer mehr zur mir selbst bringt. Ich hatte soviel aufzuarbeiten und musste soviel neu verstehen lernen. Am meisten jedoch mich selbst. Auf diesem Weg bin ich auf sehr viel Liebe gestoßen, egal ob von der Familie, Freundeskreis oder Kollegen. Ich bin sehr dankbar für sehr viel und werde dies auch tief in meinem Herzen für mich aufbewahren und schützen.

Bevor wir näher zum Inhalt kommen, zunächst die Frage nach einer musikalischen Selbsteinschätzung: Wie würdest Du selbst den Sound des Albums beschreiben?

Das ist immer ‘ne Frage die man nicht wirklich beantworten kann. Ich persönlich habe für mich entschlossen, das zu machen, was mir persönlich am vertrautestem war. Und da ich mich immer schon zur unterschiedlichsten musikalischen Stilen hingezogen fühlte, habe ich quasi alles, was sich an wohlklingenden Tönen in meinem Herzen versucht, in etwas mir Vertrautes umzusetzen. Ich wollte keine Mitmusiker oder andere musikalische Konstellation um mich herum haben, um letztlich auch keine Kompromisse eingehen zu müssen. Ich wollte nur mich und das, was mein Gefühl mir zukommen lässt.

Zufälligerweise fiel mir kürzlich die CD Deines einstigen Projekts Kyova wieder in die Hände. Hier war es ein deutlich rockigerer Sound. Hast Du Dich davon bewusst abgewendet oder hat sich der Sound auf „The Me I See“ einfach so ergeben?

Kyova war ein Versuch, auf irgendeinen Zug aufzuspringen der nicht in meine mir gewollte Richtung fuhr. Das zu erkennen und sich selbst einzugestehen, bedarf ‘ner gewissen Erfahrung. Das Erhoffte hat sich nicht eingestellt, was auch nicht schlimm ist. Aber ich habe auch aus dieser Zeit viel für mich mitgenommen, sowohl negativ wie positiv. Es war nicht der Weg, der für mich gedacht war. Gelernt habe ich aber durchaus aus dieser Zeit.

Kommen wir wieder zur neuen Scheibe: Ein Blick auf das Cover zeigt Dein Gesicht zur Hälfte und in Schwarz-Weiß gehalten. Was steckt hinter der nur halben Abbildung und der Schwarz-Weiß-Ästhetik?

Die Schwarz-Weiß-Ästhetik ist absolut gewollt und das will ich auch so beibehalten. Bei der Abbildung selber kann man sich Gedanken machen oder auch nicht. Ich wollte was Ehrliches, was nah dran ist, ohne Posen oder sonst dergleichen. Ich kenne Chris Ruiz, der die Bilder gemacht hat, ja auch schon ‘ne ganze Weile, und bin irgendwann mal auf seine Seite gestoßen. Was ich da gesehen habe, entsprach absolut meiner Vorstellung und so habe ich ihn angefragt ob er Lust hat. Nach ‘ner kurzen Erklärung meiner Vorstellungen hat er es auch sofort verstanden. Ich bin sehr glücklich mit dem, was er daraus gemacht hat. Das bin ich!

Ein anderes Bild, das auf der Homepage zu sehen ist, zeigt Dich sozusagen als Puzzle. Ein Ausdruck innerer Zerrissenheit?

Auch hier hat er wieder so ziemlich gut das getroffen, was mir sehr entgegen kam. Ohne wirklich vorher zu wissen, war dies etwas, was mich selber überrascht hat und ich gerne so wie von Dir interpretiert stehen lasse. Wobei sich die Zerrissenheit nach und nach wieder wie bei einem Puzzle zusammenfügt. Wichtig ist nur, dass jedes Teil sich an seinem richtigen Platz wieder findet.

Für die Bilder zeigt sich Chris Ruiz verantwortlich. Hat sich die Zusammenarbeit nur auf die Bilder beschränkt? Oder hat er Dich beim Album auch an anderer Stelle noch unterstützt?

Wie oben ja schon beschrieben bezieht sich dies nur auf die Bilder. Ich kann mir gut vorstellen mit ihm hier und da ein paar meiner Songs auch visuell mit ihm umzusetzen. Mal sehen.

Das Album heißt „The Me I See“. Welche Idee steckt hinter dem Titel?

Das bin ICH. Ohne Wenn und Aber. Meine Aufarbeitung mit meinem Innersten. Liebe, Verlust, Angst, Hoffnung, Freundschaft und Dankbarkeit.

In Zusammenhang mit Dir kommt unweigerlich auch immer das Thema Alkohol ins Spiel. Nervt Dich das inzwischen oder sprichst Du nach wie vor „gern“ darüber?

Nein, das tut es nicht. Mit dieser Droge setz ich mich immer wieder auseinander. Es kommen immer mal diese Momente, wo ich mir dieses Thema bewusst mache. Es ist die weit verbreitetste legale Droge, die dem Menschen zugänglich gemacht wird. An dieser Droge sehe ich genauso wenig Gutes wie an anderen uns bekannten auch. Es gibt für mich keinen einzigen Grund, diese zu konsumieren. Jeder muss und soll das für sich selbst entscheiden.

TEIL II

Reden wir nun einmal über ausgewählte Stücke vom Album. Angefangen bei „Everything“. Dort heißt es „Lost my Love forever gone“... Ist die Liebe tatsächlich für immer weg?

Liebe ist sehr vielseitig. Die Intensität der Liebe ist unterschiedlich und deshalb ist die Liebe auch so unberechenbar. Sie bewegt genauso viel Positives wie Negatives. Sie euphorisiert, verletzt, trauert und lacht und wird nie genau definierbar sein, weil sie ehrlich ist – egal in welche Richtung. Man kann und soll sie nicht verstehen, aber respektieren sollte man sie umso mehr. Vielleicht liegt da der Schlüssel.

Wenn man sich den Text von „Out of Time“ durchliest, wirkt es wie ein Wendepunkt. Würdest Du da zustimmen?

Jeder einzelne Song auf diesem Album ist ein Wendepunkt. Gleichermaßen Abschluss und Neuanfang.

In „Space“ sprichst Du von einem „Sleeping Satellite“. Was hat es mit diesem auf sich?

Es hört sich gut an.

In „Godshape“ heißt es unter anderem „my words are blessing, my words a curse“. Wie würdest Du diesen Gegensatz erläutern?

Vielleicht ist es wie mit der Wahrheit. Jeder will, dass man ihm gegenüber ehrlich ist. Und wenn man es ist und der Gegenüber dann doch nicht in der Lage ist, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, kann dies Segen und Fluch gleichermaßen sein. Ob die Wahrheit positiv oder negativ ist. Spricht sie positiv, ist sie ein Segen, spricht sie negativ, ist sie ein Fluch. Wer kann schon damit umgehen, ohne sich letztendlich nicht doch verletzt zu fühlen?

Arbeitest Du generell gern mit Gegensätzen? Der Eindruck entsteht häufiger auf dem Album.

Gegensätze ziehen sich an.

Zudem ist „3rd Eye“ auf dem Album. Was ist das für ein drittes Auge, das hier thematisiert wird?

Vielleicht ist es die Einsicht. Ich glaube, das muss jeder für sich entscheiden, insofern er es entdecken möchte.

Wenn wir das Album nun wieder als Ganzes betrachten: Gemischt hat es „Der Frost“ von Eisfabrik. Wie würdest Du seinen Anteil am Gesamtsound des Albums beschreiben?

Die Eisfabrik war ja mit uns (PP) auf Tour, so hatte ich oft genug die Gelegenheit, mir deren Soundcheck hier und da anzusehen. Ich hatte für meine Songs eine gewisse Vorstellung von Sound, der sich mir bis dahin noch nicht so richtig erschloss. Da ich ja bis dato der einzige war, der meine Songs kannte, bekam ich immer mehr das Gefühl, dass in einer gewissen Kombination aus der Qualität des Sounds der Eisfabrik und meinem Songwriting der Schlüssel steckt. Und so hab ich Gerrit dann in mein Vorhaben miteinbezogen und gefragt, ob er mir da unter die Arme greifen kann. Ich hab ihm nur so ein paar Sachen von mir vorgespielt und gefragt, ob er sich das vorstellen könne. Naja, und so kam eins zum anderen. Er versteht es sehr gut, das gewisse Quäntchen Qualität, das mir so vorschwebt, umzusetzen. Er hat die Songs genauso verstanden, wie ich es mir vorgestellt habe. Von Anfang an war da für mich klar, dass diese Kombination sehr stimmig ist.

Wie ist generell Deine Erwartungshaltung mit dem Album?

Erwartungen will Ich gar keine haben. Hier wo Ich jetzt stehe, bin ich sehr glücklich und dankbar. Alles, was jetzt kommt, kann ich selber gar nicht abschätzen und so bleibe ich selber lieber gespannt auf das, was noch so kommen mag.

Ich habe gelesen, dass Du das Album ursprünglich gar nicht für die Öffentlichkeit angedacht hast. Warum nicht? Und warum hast Du Dich dann entschlossen, es doch rauszubringen?

Von Album war gar nicht die Rede. Erst Peter hat mich dazu ermutigt, die Sache konkreter anzugehen. Ich wusste ja selber nicht, wo ich damit stehe. Meine Selbsteinschätzung war schon eher positiv, aber es dann doch mal jemanden hören zu lassen, war eher weiter weg, weil ich den richtigen Zeitpunkt nicht richtig einschätzen konnte, es mal jemanden vorzuspielen. Er war es dann auch, der dann meinte „lass‘ doch mal hören“. Und ja, es gefiel ihm und so hat er dann auch Alex von Trisol mit ins Boot gebracht und ein gutes Wort für mich eingelegt. Das war wieder so ein großer Schritt, der zu machen war und plötzlich viel leichter zu machen als erwartet. Da bin ich ihm auch sehr dankbar für.

Wie siehst Du den Hörer von „The Me I See“? Gibt es für Dich da eine bestimmte Zielgruppe? Und meinst Du, es ist auch mit den Project Pitchfork-Fans kompatibel?

Ich grenz‘ mich da nicht ein. Klar werden Pitchfork-Fans ein Ohr riskieren, aber genauso gut kann es auch von Leuten gehört und gemocht, werden die musikalisch aus anderen Richtungen kommen. Ich mach mir da keine Gedanken drum. Wenn es gefällt, freut mich das natürlich sehr.

Wir haben bereits Eisfabrik angesprochen. Auf ihrer Facebook-Seite wird eine gemeinsame Tour von Dir und Eisfabrik angedeutet. Wie konkret sind die Pläne da?

Ich werde die Eisfabrik nächstes Jahr auf deren Tour supporten.

Könntest Du Dir auch vorstellen, im Rahmen einer Project Pitchfork-Tour Deine Stücke vorzustellen?

Ich will mir nicht immer was vorstellen. Möglich ist alles... Unmöglich aber auch. ;-)

Zum Schluss noch die Frage nach einem kurzen Ausblick... Wir haben über das Album und Tourpläne gesprochen. Gibt es schon weitere Pläne, wie es bei Dir solo-technisch weitergehen wird?

Ich bin dabei. Klar wird es Neues geben. Deshalb mach ich das ja... Ich bin mittendrin...